Alaska ist nur halb so cool!

Freitag 27. November 2015 Rüdiger’s Talgeschichten


Schlittenhunde im Kleinwalsertal

Im Winter 2015/2016 hat Elmar Müller mit seiner Tochter Emma das Husky-Camp am Hörnlepass besucht und uns im Amschluß diese nette Geschichte über ein einmaliges Erlebnis im Kleinwalsertal zugeschickt. Aber nun wir sollten die Geschichte von Anfang an erzählen ...

Vielleicht ganz von Anfang an. Mit ca. drei Jahren wurde unsere Tochter von einem Hund, der frei in der Straße spazieren war, vor Freude umgerannt und auf den Boden gedrückt. Gott sei Dank ist überhaupt nichts passiert - für ein kleines Mädchen, das bis dahin keinerlei Scheu vor Hunden gehabt hat aber ein einschneidendes Ereignis. Oft haben Hundehalter danach zu ihr gesagt: du musst keine Angst haben, der tut nichts, er will nur spielen! Aber das hat Emma viele Jahre nicht mehr geglaubt und einen gesunden Respekt vor Hunden entwickelt. In solchen Situationen hat sie sich gerne hinter mir oder meiner Frau versteckt und die Hunde mit ausreichend Abstand beobachtet. Viele konnten ihre Angst nicht verstehen – wir schon!

Umso erstaunter war ich, als Emma ganz gebannt zuhörte, als ich einem Bekannten von den Husky-Workshops am Hörnlepass erzählt habe. Seit mehreren Jahren bieten dort oben, etwas abgelegen, eingehüllt in die verschneite Winterlandschaft, zwei Musher Workshops mit Huskys an. Die zwei sind Werner und Claudia. Werner ist eigentlich Sanitäter, aber seine freie Zeit verbringt er schon sehr lange mit seinen Huskys – Claudia seine Lebensgefährtin unterstützt ihn dabei. Und ich würde sagen, Claudia ist die Husky-Mutter. Nach dem Gespräch mit dem Bekannten kommt Emma zu mir und fragt mich, ob wir nicht auch einmal zu den Huskys gehen könnten. Ich bin etwas verwundert, denn damit habe ich nun so gar nicht gerechnet. Aber ich bin total stolz, dass dieser Vorschlag von ihr kommt und ich frage sie, ob sie keine Angst hat vor den Huskys. Sie erzählt mir, dass sie vor ein paar Tagen eine Reportage über Schlittenhunde gesehen habe und die ganz friedlich seien. Ja dann, ab an den Hörnlepass!

Als wir ein paar Tage später gegen 10.00 Uhr am Hörnlepass eintreffen, sehen wir schon das Husky Camp am Waldrand. Romantisch sieht es aus – Strohballen mit Rentierfellen, in der Mitte ein Lagerfreuer auf dem ein Topfköchelt, im Hintergrund liegen die Huskys.Ein paar heulen – es ist sehr beeindruckend, als wir uns dem Camp nähern. Die Hunde schauen uns an – mit ihren faszinierenden Augen, aber irgendwie habe ich das Gefühl ich bin da eher uninteressant – Emma ist schon in Augenkontakt mit ihnen.

Schlittenhunde im Kleinwalsertal

Claudia kommt auf uns zu und begrüßt uns freundlich. Sofort nimmt sie Emma an der Hand und geht mit ihr zu den Hunden. Ich will gerade noch sagen, dass Emma wahrscheinlich etwas Angst haben könnte, aber schon steht Emma bei Nanook, der sie freudig begrüßt und abschleckt. Claudia zeigt ihr, wie sie die Hunde streicheln soll und dass sie zu allen Hunden gehen kann. Ich traue meinen Augen nicht. Emma hat keinerlei Berührungsängste und geht von einem Hund zum Nächsten, um alle zu begrüßen. Akima hört sogar kurz auf zu heulen und genießt die Streicheleinheiten. Jetzt kommen auch Werner und die anderen Teilnehmer. Gemeinsam setzen wir uns ans Lagerfeuer und es gibt warmen Tee vom Feuer. Werner erzählt wie er „auf den Hund gekommen ist“ und was wir heute lernen werden. Er will uns heute noch so weit bringen, dass wir mit den Hunden auf Tour gehen können! Na, da bin ich ja mal gespannt.

Die Gruppe ist bunt gemischt. Einige der Teilnehmer kennen sich mit Hunden sehr gut aus, andere haben noch nichts mit Hunden zu tun gehabt. Aber alle sind fasziniert von den Huskys und von Werners Ausführungen. Ganz schön viel Arbeit höre ich da raus und auch kein günstiges Hobby. Aber ein erfüllendes auf alle Fälle. Im Augenwinkel sehe ich, wie Claudia, die Husky-Mutter, mit den Hunden schmust. Und nicht nur die Hunde bekommen ihre Streicheleinheiten, auch Claudia wird angestupst und liebkost. Ich glaube beide Seiten genießen es sehr.

Schlittenhunde im Kleinwalsertal

Werner hat uns inzwischen den Schlitten erklärt - wichtig ist das Lenken und Bremsen! Und das üben wir jetzt erst einmal ohne Hunde. An einem kleinen Hügel starten wir die ersten Fahrten. Geradeaus ist gar nicht so schwer, aber eine Kurve zu fahren, das Gewicht richtig zu verlagern und jeden Moment bremsbereit zu sein ist dann doch eine erste Herausforderung – gerade für Männer, die eigentlich ja nur eine Sache zu einem Zeitpunkt tun können. Erst ist das junge Pärchen aus Deutschland dran – sie macht es sehr gut – der Mann hat etwas Probleme beim Lenken und fährt direkt von der präparierten Piste in den Tiefschnee. Gar nicht so einfach den Schlitten dort wieder raus zu bekommen. Emma ist ebenfalls voll motiviert und fährt als dritte den Schlitten den Hügel hinunter. Und ich bin schon wieder erstaunt. Werner ruft, „Emma nach links und dann bremsen“ – und Emma macht es genau so! Ich stelle mich bei meiner Fahrt nicht so geschickt an und auch ich gerate schnell in den Tiefschnee – Emma lacht mich natürlich ordentlich aus.

Nachdem alle Teilnehmer zwei Fahrten mit dem Schlitten unternommen haben, gehen wir zu den Huskys, um ihnen das Geschirr anzuziehen – keine Tassen und Teller – das Zuggeschirr! Die Hunde merken sofort, dass es jetzt endlich los geht und sind schon ganz aufgeregt. Und Emma hat immer noch keine Angst. Sie schnappt sich ein Geschirr und zusammen mit Claudia wird Skalli eingebunden. Ich bin heute schon ein sehr stolzer Vater. Vier Hunde werden vor den Schlitten gespannt und Werner zeigt uns, wie die Kommandos für die Hunde zu geben sind. Wichtig ist auch immer die Notbremse, eine Art Anker, die man in den Schnee wirft, wenn die Hunde durchgehen sollten, oder man sicher stehen bleiben möchte. Sieht ganz einfach aus – aber ob ich das im Eifer des Gefechtes hinbringen würde? Werner gibt Entwarnung – die Hunde kennen den Weg und wissen, wo es was zum fressen gibt. Sehr beruhigend!

Eigentlich habe ich gedacht, dass Emma mit ihren neun Jahren mit Werner auf dem Schlitten steht, aber Emma steht auf einmal alleine mit dem Schlitten am Start. Oh Oh! Ob das gut geht? Doch Werner scheint überzeugt und gibt ihr noch ein paar Tipps. „Husky go!“ höre ich Emma lauthals rufen und die Hunde starten durch. Der Kurs führt über mehrere Kurven in ein kleines Wäldchen. Auf einer Ebene dahinter wird gewendet und es geht zurück zum Lager. Alles in allem etwa 600m und ich glaube nicht, was ich da sehe. Emma lenkt den Schlitten und die Hunde durch die Kurven, wie wenn sie seit neun Jahren nichts anderes tun würde. Ich bin echt beeindruckt! Ob das bei mir auch so elegant und leicht aussehen wird? Ich denke nicht. Jeder Teilnehmer darf nun die eine oder andere Runde mit den Hunden fahren und alle haben dieses stolze Grinsen im Gesicht - ein wirklich nicht alltägliches Erlebnis!

Als alle ihre Runden gezogen haben wird Emma noch einmal munter und fragt Werner, ob sie noch ein bissle mit den Huskys fahren darf – Werner ist echt tiefenentspannt und so lenkt Emma noch drei Mal das Gespann durch den Parcours. Als sie das letzte Mal an mir vorbei schießt und ich ein Foto mache ruft sie mir mit einem breiten Grinser im Gesicht zu: „Papa, Alaska ist nur halb so cool!“

Elmar Müller (Text und Bilder)

Wer nun auch mal echte Musher-Luft schnuppern möchte hat dazu jeden Sonntag ab 10.30 Uhr für ca. 4 - 5 Stunden bei unserm Husky Camp am Hörnlepass die Möglichkeit. Hier können Sie sich für die verschiedenen Camps zwischen Januar und März 2016 anmelden.

Mit den besten Grüßen aus dem Kleinwalsertal

Ihr Rüdiger Keck