KRAUT DES MONATS – SONNENTAU

Dienstag 23. Februar 2016 Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke


Rund um den Hörnlepass im Kleinwalsertal wächst der Sonnentau (Bild: © Wissensfinder/creativecommons.org)

Sonnentau – Drosera

Der Sonnentau ist eine klassische Moorpflanze, deren Heilkräfte bereits im Mittelalter bekannt waren. Die fleischfressende Pflanze wird noch heute als Mittel zur Behandlung von Reizhusten angewandt. Ein Gewächs, vor dem man in die Knie gehen muss, um seine Schönheit zu erkennen.

Vor etwa 20.000 Jahren herrschte in unseren Breiten das Eis. Große Landflächen waren von Gletschern überzogen und oft ragten nur die Bergspitzen aus dem Eis heraus. Als vor etwa 10.000 Jahren auch am Alpenrand das Eis schmolz, entstanden vielerorts Seen und Tümpel und es entwickelte sich eine bunte Pflanzenwelt.

In dieser Zeit entstanden in feuchten Gebieten, in denen das überschüssige Wasser nicht abfließen konnte, auch die Moore. Dabei benötigt die Natur etwa 1.000 Jahre, um 1 Meter Moor aufzubauen. Moore sind nicht nur ganz spezielle Lebensräume, sondern auch wichtige CO2- und Wasserspeicher.  

In den Mooren haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Arten von Moorpflanzen wie Moose, Flechten und Farne entwickelt und einzigartige Biosphären geschaffen.

Rund um den Hörnlepass im Kleinwalsertal erstreckt sich auf 27 Hektar das Hörnlepassmoor, ein ganz besonderes Hochmoor. Es zählt zu den seltenen Gebirgshochmooren und ist ein schützenswertes Biotop mit einer einzigartigen Hochmoorflora.

Eine in meinen Augen ganz besondere Moorpflanze ist der Sonnentau. Der Sonnentau gehört zu den insgesamt etwa 200 Arten der fleischfressenden Pflanzen und bildet innerhalb dieser Arten die größte Gattung.

Der Sonnentau hat sich mithilfe verschiedener Ausprägungen verschiedensten Standorten angepasst. Rund um den Hörnlepass wächst der rundblättrige Sonnentau, während bereits im malerischen Rohrmoostal – nur etwa 45 Gehminuten vom Haus – der löffelartige oder auch langblättrige Sonnentau seinen Platz gefunden hat.

Im 12. und 13. Jahrhundert wurde der Sonnentau vor allem von Alchemisten verwendet. Damals hoffte man, mit der Pflanze Gold herstellen zu können. Später fand die Pflanze spirituelle Anwendung und man führte sie mit sich, um Schaden abzuwehren. Auch Lebenselixiere wurden aus Sonnentau hergestellt. Zudem wurde die magische Pflanze als Aphrodisiakum und fruchtbarkeitsförderndes Mittel bei Menschen und beispielsweise Rindern eingesetzt. In den schottischen Highlands war der rundblättrige Sonnentau der traditionelle Purpur-Farbstoff.

Heute wird Sonnentau hauptsächlich als Hustenmedizin eingesetzt und findet sich in etwa 250 zugelassenen Präparaten.

Es würde mich freuen, Ihnen den Sonnentau im Spätsommer einmal in seiner Blütezeit zeigen zu können. Der Kniefall lohnt sich auf jeden Fall.

Herzliche Grüße aus dem Hörnlepass

Ihre Christine Keck

Die Verwendung von Heilkräutern ersetzt Ihnen nicht den Arzt. Die Kräuter sollen weder die Schulmedizin ersetzen noch zur Selbstbehandlung auffordern. Bitte begeben Sie sich bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung in die Hände eines Arztes.

Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass der Alpengasthof Hörnlepass nicht für eventuelle gesundheitliche Schäden haftet, die im Rahmen einer Anwendung von Kräutern auftreten können.

Bild: © Wissensfinder/creativecommons.org