Christine's Kraut des Monats / August: Frauenmantel

Donnerstag 31. August 2017 Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke


Tipps zu den Heilkräfte und zur Anwendung von Frauenmantel aus dem Alpengasthof Hörnlepass im Kleinwalsertal

Der Frauenmantel ist eine meiner persönlichen Lieblingspflanzen. Mit der mantelartigen Form seiner behaarten Blätter und dem obligatorischen „Tautropfen“ in der Blattmitte schaut er nicht nur toll aus. Er hat auch eine ganze Reihe starker Heilkräfte und war bereits im Mittelalter ein wichtiger Teil der Naturapotheke von Heilern und Forschungsgegenstand von Alchemisten.

Frauenmantel – Alchemilla

Die insgesamt etwa 1.000 Frauenmantelarten aus der Familie der Rosengewächse gedeihen hauptsächlich in Bergregionen Europas, Asiens und Afrika. Allein in Europa sind etwa 300 Arten heimisch, die verbreitet als Volksarzneipflanzen verwendet wurden. Einige Arten dienen auch heute noch als hochwertiges Viehfutter und einige wenige werden als Zierpflanzen kultiviert.

Rund um den Hörnlepass ist Frauenmantel – ebenso wie der Silbermantel – das ganze Jahr über zu finden. Ich verarbeite den Frauenmantel zum Beispiel gerne in einigen unserer hausgemachten Kräutertees.

Allein der botanische Name des Frauenmantels (Alchemilla – übersetzt in etwa „die kleine Alchemistin“) lässt schon vermuten, dass dieses Kraut „magische“ Kräfte“ hat. Besonders die „Gutatationstropfen“, auch „Tautropfen“ oder „Alchemistische Tropfen“ genannt, wurden bereits von den Druiden als „Pflanzenwasser“ zur rituellen Reinigung bei kultischen Handlungen eingesetzt. Sie entstehen durch von der Pflanze aktiv über feine Poren am Blattrand ausgeschiedenes Wasser, welches sich im Blattkelch sammelt.

Während die Alchemisten versuchten, aus diesen Tautropfen Gold zu gewinnen, setze das Bürgertum die Pflanze dazu ein, die Häuser vor Blitzeinschlag zu bewahren, indem sie Frauenmantelkränze am Dachfirst oder an Türen und Fenstern anbrachten.

Nicht zuletzt deshalb gilt der Frauenmantel auch als „Gewittergras“. Viele Menschen glaubten auch, dass sich wenn der Frauenmantel „schwitzt“ – also Wasser über die Blätter abgibt – Regen ankündigt. 

In der Volksmedizin wird der Frauenmantel seit jeher zur Behandlung von Wunden, Blutungen, Frauenkrankheiten, Bauchschmerzen, Nierensteinen, Geschwüren, Kopfschmerzen und anderen Beschwerden angewendet.

Bereits der griechische Arzt Pedanios Dioskurides, der italienische Gelehrte Gaius Plinius Secundus Maior (beide 1. Jh. n. Chr.) sowie Pseudo-Apuleius (4. Jh n. Chr.) attestierten dem Frauenmantel in ihren Werken zur Kräuterkunde eine ganze Reihe von Heilwirkungen und Besonderheiten:

Ihren Ausführungen zufolge wirkt Frauenmantel als Liebeszauber, ruft wahnwitzige Träume hervor, dient zur Behandlung von Geschwülsten und zieht eingedrungene Gegenstände heraus.

Im Spätmittelalter fand der Frauenmantel erstmals Erwähnung im „Buch von den gebrannten Wässern“ des Gabriel von Lebenstein. Lebenstein empfahl in seinem Buch die innere Anwendung des Destillats aus dem Frauenmantel bei Menschen, die „inwendig geprochen“ sind. Im Mainzer Gart der Gesundheit von 1485 wurde das Kapitel Alchemilla erstmals mit einer naturgetreuen Abbildung des Frauenmantels illustriert und ebenfalls zu ersten Mal der lateinische Name Alchemilla verwendet. 

Im Jahr 1500 beschreibt Hieronymus Brunschwig In seinem „Kleinen Destillierbuch“ für das Destillat aus der ganzen Pflanze (Wurzel und Kraut) folgende Anwendungsmöglichkeiten:

  • äußerlich zum Löschen „böser Hitze“ in Wunden
  • mit einem Tuch auf die Brüste der Frauen aufgelegt, damit sie „hert und strack“ werden
  • innerlich für „gebrochen lüt“

Dass Alchemilla vor allem Frauenkrankheiten heilen kann, sieht man den Blättern mit der Wasserperle in ihrer Mitte schon fast an. Schließlich erinnern sie an den weiblichen Schoß. Wegen seiner Kraft gegen Frauenleiden weihten die vorchristlichen Hebammen und Kräuterweiber den späteren Frauenmantel der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Frigga. Mit dem Frauenmantel habe Frigga den Frauen ein Mutterkraut geschenkt, das – insbesondere bei abnehmendem Mond angewendet – Blutungen zu stillen oder Geburtswunden zu schließen vermochte. Die Germanen verehrten sie einst sogar als Spenderin des Ehesegens und brachten ihr Milch- und Räucheropfer dar, damit sie über die Gebärenden wachte.

Auch als Gurgellösung für Mund und Rachen, bei Inkontinenz nach einer Geburt, bei Unfruchtbarkeit und bei einem akuten Kinderwunsch wurde der Frauenmantel im Mittelalter angewendet. Obwohl der Frauenmantel stets ein enorm beliebtes Heilmittel war, wurde er in der Schulmedizin des 16. bis 19. Jahrhunderts nicht mehr verwendet.

Der deutsche Schriftsteller Johannes Trojan hat dem Frauenmantel sogar ein Gedicht gewidmet:

Das Kräutlein treibt ein rundes Blatt 

Wie keines ringsherum es hat. 

Mit zierlich eingekerbtem Rand 

Ist für den Tau es angespannt, 

Recht als ein Schälchen hingestellt, 

in welches Perl`auf Perle fällt. 

So hebt es auf des Himmels tau, 

der niedersinkt auf Flur und Au`, 

Manch Elflein gegen Morgen kommt, 

das dürstet, dem zu trinken frommt, 

Schöpft aus dem Schüsselchen und spricht: 

Ein bessres Labsal gibt es nicht 

 

Für Rückfragen zum Frauenmantel oder anderen Kräutern und Heilpflanzen stehe ich Ihnen immer gerne zur Verfügung.

Ihre Christine Keck

Die Anwendung von Heilkräutern ersetzt nicht den Arzt. Die Kräuter sollen weder die Schulmedizin ersetzen noch zur Selbstbehandlung bei Erkrankungen auffordern. Bitte begeben Sie sich bei den geringsten Anzeichen einer Erkrankung in die Hände eines Arztes. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden, die durch die beschriebenen Anwendungen und Informationen entstehen können. Anwendungen erfolgen ausdrücklich auf eigene Gefahr und Verantwortung. Für die Richtigkeit oder Vollständigkeit können wir keine Gewähr übernehmen.

Christine’s Kräuter- und Entspannungsecke

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Ihre Christine Keck